Das Hutewald-Projekt – zurück zur Natur

Durch die Lebensweise Menschen hat sich die Natur stark verändert. Wo einst noch wilde Tiere lebten und Pflanzen wuchsen, sind heute oftmals kahle Flächen oder artenarme Vegetation vorzufinden. Aber nach vielen Jahren der industriellen Nutzung unserer Flora und Fauna besinnt sich der Mensch langsam und entdeckt die “wilde” Natur wieder. Um diesen Wandel einmal genauer untersuchen zu können, wurde das “Hutewaldprojekt” ins Leben gerufen. Im Sommer des Jahres 2000 wurde im Waldgebiet in der Nähe von Holzminden im Solling (Mittelgebirge in Niedersachsen) ein einzigartiges Projekt gestartet, bei dem circa 30 Exmoor-Ponys und ebenso viele Heckrinder in einem Eichenwald ausgesetzt wurden. Ziel dieses Naturprojektes war es, dass die Tiere die Pflege dieses Waldabschnittes selbstständig übernehmen sollten. hutewald-solling-vogler-karte

Was ist ein Hutewald?

Noch vor 200 Jahren nutzten Bauern eine ganz andere Art die Natur zu bewirtschaften. Man schickte Rinder und andere Nutztiere in nahegelegene Wälder, um zu dort zu mästen. Heute wäre diese Form viel zu aufwändig und zu teuer, aber damals war es eine gängige Methode um auch die Wälder zu bewirtschaften. Die Begrifflichkeit ist daher schnell erklärt, denn “Hute” kommt von “hüten”. Baumgebiete, in denen Tiere gehütet wurden, nannten man daher Hutewald und dieser Begriff bezeichnet heute noch einige Waldgebiete. Der Sinn dieser Haltung war auch, dass die Tiere nachwachsende, kleinere Bäume als Nahrung nutzten und somit verhinderten, dass sich ein sogenannter “dunkler Wald” bildete – also ein Gebiet, in dem es zu viele Bäume gibt und dadurch kein Sonnenschein mehr durch die Waldwipfel dringen kann. Auf diese Weise wurde ein natürliches Gleichgewicht geschaffen, dass es in dieser Form heute nicht mehr gibt.

Ziel des Hutewaldprojekts

Was wäre, wenn sich ein Wald wieder natürlich entwickeln könnte – also so, wie vor 200 oder 300 Jahren noch? Diese Frage war die Grundlage des Hutewaldprojekts. Daher wählte man zwei Tierarten aus, die praktische eine Rückzüchtung des Tarpans und Auerochsens darstellen und ließ sie die natürliche Pflege des Waldes übernehmen. Die spannende Frage dieses Natur-Experiments war eben, wie sich ein Waldgebiet entwickeln würde, wenn es wieder durch Tiere bewirtschaftet wird. Denn durch die vielen dunklen Wälder die in den letzten 200-300 Jahre entstanden sind, sind möglicherweise auch viele Pflanzen- und Insektenarten ausgestorben oder haben sich stark zurückgebildet. Parallele Projekte in unserem Nachbarland den Niederlanden haben gezeigt, dass diese Art der Bewirtschaftung sich durch aus lohnt. Denn bestimmte Gebiete lassen sich schlicht schwer von Menschenhand pflegen. Tiere wie die Heckrinder oder Exmoor-Ponys dagegen kommen in den entlegenen Baumgebieten viel besser voran und können so die Bereiche vor der völligen Bewaldung bewahren und auf diese Weise wieder ein natürliches Gleichgewicht schaffen.

War das Hutewald-Projekt erfolgreich?

Klar Antwort: ja, das Projekt war erfolgreich. Denn bereits nach kürzester Zeit konnte man deutliche Veränderung in dem Waldgebiet feststellen. Die dort ausgesetzten Tiere veränderten schon nach wenigen Wochen die Flora des Waldes derart, dass ein Anstieg gewisser Population von Käfern und kleineren Pflanzen messbar wurde. Wirklich beurteilen kann man den Erfolg des Hutewald-Projekts natürlich erst nach vielen Jahren. Aber bereits nach Monaten ging die Anzahl bestimmter am Boden wachsender Farne stark zurück, was wieder mehr Licht auf den Boden des Waldes durchscheinen ließ. Auf diese Weise konnten kleinere Pflanzen wieder besser emporwachsen und es entstand eine wesentlich größere Pflanzenvielfalt. Ein wichtiger Aspekt des Hutewald-Projekts war und ist der Mensch, denn das untersuchte Waldgebiet war zu keiner Zeit gesperrt und der Öffentlichkeit immer zugänglich. Besucher konnten so praktisch live miterleben, wie ein Wald auf natürliche Weise bewirtschaftet wird und wie er sich verändert.