Geschichte des Hutewaldes

Bereits in der Antike gab es die Form der “Hutung”, die eine Art der Viehhaltung darstellte. Im Mittelalter ab dem zwölften Jahrhundert war das Weiden der Tiere im Wald eine häufig genutzte Form der Tierhaltung und daher waren Hutewälder speziell in Mitteldeutschland weitverbreitet. Man unterschied dabei in zwei unterschiedliche Nutzungsformen: die dauerhafte Waldmast von Schweinen und die zeitweise und saisonbedingte Nutzung durch Ochsen, Kühe und Pferde. Dabei überließ man die Tiere jedoch nicht sich selbst, sondern reglementierte die Mästung je nach Fruchtbestand der Buchen, Eichen und Ahornbäumen. Da Schweine zur Hauptnahrungsquelle der Menschen gehörten (und immer noch gehören) war die Waldmast dieser Tiere besonders wichtig. Wie viel ein Hutewald wert war, bestimmte die Art und Anzahl Vegetation in diesem Gebiet – desto mehr Schweine man dort mästen konnte, desto wertvoller war der Wald. Um diesen zu steigern, drängte man bewusst einige Laubhölzer und Nadelhölzer zurück, die für die Schweine keine geeignete Nahrungsgrundlage bildeten. Aber auch die Kühe und Pferde wurden saisonal für circa zwei bis drei Monate in die Hutewälder getrieben, um sie dort weiden zu lassen. Auf diese Weise wurden größere Flächen brachgelegt, die dann wiederum als Weidefläche für Ziegen und Schafe dienten. Speziell zu Beginn des 16. Jahrhunderts mit dem aufkommenden Bergbau entstanden viele Hutewälder aufgrund von sogenannter “Bergfreiheiten”. Die ansässigen Feudalherren wollten den lukrativen Bergbau fördern und vergaben großzügige ökonomische Sonderrechte, die Bergfreiheiten, die wieder viele (und dringend benötigte) Bergleute anlockten. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Sonderrechte war die gestattete Waldweide, wodurch die Bergleute sich in Genossenschaften zusammenschlossen und ihr Nutzvieh mit Hirten in die Waldgebiete trieben.

Das Ende der Hutewälder

Am Ende des 17. Jahrhunderts wurde der Rohstoff Holz knapp und man begann, die unkontrollierte Waldnutzung zu verbieten. Die über viele Jahre entstandenen Hutewälder wurden wegen Rohstoffmangels abgerodet oder aufgeforstet, damit weiteres Nutzholz nachwachsen konnte. Auch die fortschreitende Landwirtschaft entdeckte, dass der Ackerbau wesentlich lukrativer war und somit wurden viele Waldgebiete gerodet, um mehr Fläche zu generieren. Im 19. Jahrhundert gab es weitestgehend keine privaten Nutzungsrechte der Wälder mehr – die moderne Forstwirtschaft hielt Einzug und stand unter staatlicher Kontrolle. Diese Art der Waldnutzung ließ die Hutewälder fast vollständig verschwinden.